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4. July 2010

Atomkraft? Nein, danke! — Ein Plädoyer von Henriette Jung

Weil es mit dem Beitrag über das vergangene (und im übrigen sehr gelungene) Schülervorspiel am 22. Juni mit Hannah noch ein wenig dauert (Bilder komprimieren etc.), kommt jetzt schon mal, einfach dass hier mal wieder etwas passiert (ich hatte letzten Monat eine Besucherzählung am Laufen, deswegen hatte ich selbst meine Website wenn möglich nie besucht - wow, ca. 2300 Besucher in einem Monat - vielen Dank hierfür!!!) ein Gastbeitrag von Henriette Jung zum Thema "Atomkraft". Das Plädoyer wurde ursprünglich im SchülerVZ verfasst, die Autorin hat mir jedoch freundlicherweise die Genehmigung erteilt, das Plädoyer hier noch einmal abzudrucken. Vielen Dank!

Für die Abschaffung der Energiegewinnung durch Atomkraftwerke:

Wir haben bereits radioaktiven Müll produziert, der die Pyramiden von Gizeh überdauern wird und wir wissen immer noch nicht, wohin damit. Es wäre vollkommener Schwachsinn, noch mehr davon zu produzieren.
Kurzfristig lohnt sich die Atomenergie für die Stromkonzerne, aber langfristig hat sie den Staat im Einzelnen schon diese Kosten verursacht:

  • Bau von Forschungsreaktoren ca. 20 Mrd. €
  • Öffentlicher Finanzierungsanteil an gescheiterten Projekten („Schneller Brüter“ Kalkar, WAA Wackersdorf, THTR Hamm-Uentrop, AKW Mülheim-Kärlich) ca. 9. Mrd. €
  • Castor-Transporte 3 Mrd. €

Hinzu kommen die laufenden Sicherheitsnachbesserungen, die mit dem zunehmenden Alter eines AKWs höher werden. Um den Skeptischen das Argument vorwegzunehmen, dass die Natur als Energielieferant sehr unzuverlässig sei, verweise ich auch auf die Störanfälligkeit eines AKWs: Störfälle kommen sehr häufig vor und das darauffolgende Abschalten und Wiederhochfahren ist sehr zeitintensiv. In dieser Zeit kann logischerweise kein Strom erzeigt werden, es wird zur Wiederinbetriebnahme sogar viel Strom aufgewand1. Wir erinnern uns: Der Einschaltstrom einer Glühbirne ist zehnmal stärker als der Nennstrom.

Der Wirkungsgrad eines AKWs ist sehr gering, rund zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie gehen zwischen dem AKW und dem Verbraucher verloren. Sehr teuer ist auch der hohe Energieaufwand, der zur Stromgewinnung nötig ist. So sind z.B. zur Deckung des Strombedarfs der französischen Urananreicherungsanlage Pierrelatte rund drei der vier Blöcke des benachbarten AKW Tricastin notwendig. Hinzu kommen 41 Mrd. kWh Gas- und 21 Mio. m3 Wasserverbrauch im Jahr.

Ist es das wirklich wert, nur um auf dem Gebiet der Energiegewinnung kein unnötiges Risiko eingehen zu müssen, das am Ende den Wähler verärgern könnte?

Meine Antwort darauf

Henriette,

du weißt ja gar nicht wie recht du hast! Nur schade, dass wir hier so wenig in der Gruppe sind, da hört dich ja keiner! Aber ein prima Plädoyer gegen Atomkraft! Hätte ich nicht besser schreiben können. Hast du dich am Ende von meinem “Rettet den Thunfisch”-Artikel inspirieren lassen? Wie auch immer, unter deiner Führung in ein paar Jahren wird das alles besser! Ich werde für dich stimmen!

Erneuerbare Energien vor! Zum Beispiel vor Berlin, wo da diese alten halbvermoderten Kasernen stehen, könnte man doch prima ein riesenhaftes Solarfeld aufbauen. Oder in Afrika! Die Frage ist nur, wie man den Strom dann zu uns bekommt. Aber du wirst da sicherlich noch eine uns alle und auch die nachfolgenden Generationen zufriedenstellende Lösung finden, da bin ich mir sicher!2

Mit kollegialen Grüßen,

Hans

Fußnoten

  1. Anmerkung von mir: Die Rechtschreibung wurde unverändert dem Beitrag aus dem SchülerVZ entnommen.
  2. Anmerkung von mir: Ja, ich bin überzeugt davon, dass die Henriette eines Tages Bundeskanzlerin wird!

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