Kurzfristig: Auftritte mit Niklas Müller (Trompete) und mir (Klavier) im Gymnasium Bammental am Montag & Mittwoch, 21. + 23. Mai. Details

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Dieser Aufsatz ist die lange Version des Handouts zu der GFS « Lateinische Literaturgeschichte », die von mir am 9. November 2010 im Fach Latein gehalten wurde.

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Dieser Aufsatz ist das Handout einer GFS zum Thema « Die Rote Kapelle - Widerstand gegen Hitler », die von mir am 8. Dezember 2008 im Fach Geschichte gehalten wurde.

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Dieser Aufsatz wurde (in seiner Urfassung) durch eine GFS zum Thema Die Etrusker einer Klassenkameradin von mir, Eva A. Langbein, angeregt. Zeitpunkt: Irgendwann im Jahre 2008.

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Dieser Aufsatz ist die lange Version des Handouts zu der GFS « Wilhelm von Humboldt und die Bildungsreform », die von mir am 1. Februar 2008 im Fach Geschichte gehalten wurde.

9. November 2010

Lateinische Literaturgeschichte

Heute habe ich meine GFS über die lateinische Literaturgeschichte gehalten. Die Vorgabe, wie lang das Handout, das man seinen Mitschülern mitgibt, zu sein hat (ca. 3 Seiten höchstens), ist allerdings viel zu knapp bemessen, um mal eben kurz die gesamte lateinische Literaturgeschichte (und sei es noch so kurz) darzustellen. Also habe ich die lange Version meines Handouts wieder auf meiner Website zur Ansicht im Browser (html-Version) bereitgestellt.

Vorbemerkung: Aufgrund der schier unendlichen Weite der lateinischen Literatur beschränke ich mich in meiner GFS nur auf Literatur im eigentlichen Sinne, das heißt, Werke, die auch wirklich gelesen wurden. Prozessreden oder Briefe (es sei denn, es waren Kunstbriefe, die von vornherein zur Veröffentlichung bestimmt waren) werden beispielsweise ausgelassen.

1 Vorklassik (240 – 90 v. Chr.)

  • fünf Jahrhunderte keine Dichtung oder Prosa außer die Zwölftafelgesetze, die Jahresaufzeichnungen der Priester (annales) sowie die carmina (Gebetssprüche). Diese Texte stellten jedoch alle keine besondere literarische Leistung dar.
  • Nach dem 1. Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) wurde das von den Griechen geprägte Sizilien sowie das ehemals griechische Unteritalien römisch.
    Das bezwungene Griechenland unterwarf seinerseits den rohen Sieger und brachte die Künste in das bäurische Latium. Horaz, Epistulae II 1.156
    • Die Römer fühlten sich durch die Griechen angeregt, selbst Literatur zu schreiben. Vorerst begnügte man sich allerdings mit der reinen Übersetzung (imitatio) des griechischen Originals ins Lateinische (beispielsweise Livius Andronicus, Odusia (Homers Odyssee)).

1.1 Titus Maccius Plautus (ca. 250 – 154 v. Chr.)

  • Komödienschreiber (20 Werke sind erhalten); Vorbild ist der Grieche Menander (342 – 291 v. Chr.; Neue attische Komödie)
  • Politik ausgeschaltet, meist typische Personen aus athenischem Bürgertum, die auf ihre Weise das Leben, in dem der Zufall (tyche) eine große Rolle spielt, zu genießen suchen. Motive/Charaktere werden nicht originalgetreu übernommen, sondern römischen Verhältnissen angepasst.
  • Große Nachwirkung

1.2 Publius Terentius Afer (Terenz; 195/185 (?) – 159 v. Chr.)

  • Ursprünglich als Sklave von Karthago nach Rom gekommen, dort von Terentius Lucanus freigelassen.
  • 6 Komödien erhalten
    • größere Treue gegenüber den griechischen Vorlagen
    • Sprache und Stil der Stücke entsprechen der gebildeten, griechisch orientierten städtischen Oberschicht → weniger Anklang im Volk

2 Klassik (90 v. Chr. - 20 n. Chr.)

2.1 Gaius Iulius Caesar (100 – 44 v. Chr.)

  • Berühmt durch seine Schilderung des Gallischen Krieges (58 – 51 v. Chr.), bekannt als Bellum Gallicum oder De Bello Gallico. Die Bücher 1 – 7, die die Ereignisse im Zeitraum von 58 – 52 v. Chr. abdecken, sind von Caesar verfasst worden; das achte Buch mit dem Geschehen der Jahre 51/50 v. Chr. wurde später von Caesars General Hirtius hinzugefügt.
    • Sinn der Kommentare: Rechtfertigung für den Senat
    • Durch die Wahl der dritten Person als Erzählperspektive glaubte Caesar offenbar, sein Bericht würde ein bißchen objektiver werden.
  • Weiterhin sind Kommentare über den Bürgerkrieg (49 – 48 v. Chr.) erhalten (Commentarii Belli Civilis).
  • In der leider verlorenen De analogia hat Caesar seine Ansichten über die Grundsätze sprachlicher Gestaltung dargelegt. Ironischerweise hat er diese Schrift Cicero gewidmet, der Schmuckwerk in seinen Schriften liebte, während er, Caesar, auf die elegantia, den schlichten Gebrauch der Sprache und auf Einfachheit seiner Sätze großen Wert legte.
  • Bei auch erhaltenen Kommentare über den alexandrinischen Krieg & den spanischen Krieg ist man sich nicht sicher, ob Caesar wirklich der Autor ist.

2.2 Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.)

  • Wenn man sämtliche Prozessreden und die etlichen Briefe, die er geschrieben hat, außer Acht lässt, bleiben vor allem seine philosophische und rhetorische Schriften übrig. Da hier immer noch viel zu viel übrig bleibt, beschränke ich mich auf die bekanntesten Werke:
    • De oratore (phil.; 55 v. Chr.): Abhandlung über das Ideal des philosophisch gebildeten Redners.
    • De re publica (phil.; 54 – 51 v. Chr.): Staatslehre: Wie sieht der ideale Staat aus?
    • De legibus (phil.): Über die Gesetzgebung – unvollendet. (Vorbild der beiden letzten Werke sind Platons Politeia und Nomoi)
  • Cicero musste im Jahre 51 v. Chr. seine Prokonsulat in Kilikien absitzen. Das tat er äußerst ungern, zumal sich der Konflikt zwischen Caesar und dem Senat und Pompeius immer weiter zuspitzte und Cicero gehofft hatte, vermitteln zu können. Aus tiefster Überzeugung schlug er sich auf Pompeius’ Seite, der für die alte res publica kämpfte, und musste – als dieser in der Entscheidungsschlacht bei Pharsalos gefallen war – auf die Gnade von dem Sieger Caesar hoffen (clementia). Nachdem er 46 v. Chr. zurückkommen durfte, begann seine zweite große Schaffensperiode, die man in zwei Phasen unterteilen kann. In der ersten (Freundschaft mit Brutus, dem späteren Caesar-Mörder) entstanden folgende rhetorische Werke:

    • Brutus (rhet.): Dialog über die Geschichte der römischen Beredsamkeit.
    • Orator (rhet.): Thema sind die drei Stilarten der rhetorischen Theorie, die man nach Cicero alle gleich gut beherrschen müsse.
  • In der zweiten Phase (nach dem Tod seiner Tochter Tullia) suchte Cicero Trost in der Philosophie:

    • Hortensius: Eine Aufforderung, sich der Philosophie zu widmen.
    • Academica: Hausstreit in der Schule Platons: Die skeptische und die dogmatische Richtung nahmen zur Frage, ob unwiderlegliche Einsichten möglich seien, gegensätzliche Positionen ein.
    • Die ethischen Hauptwerke De finibus bonorum et malorum (Über höchste Güter und Übel) und Tusculanae Disputationes (Gespräche in Tusculum; jeweils in fünf Büchern) sind vollständig überliefert. De finibus bonorum et malorum erörtert das Pro und Contra der epikureischen, stoischen und peripatetischen Ethik. In den Tusculanae Disputationes werden nach stoischer Lehre Sachfragen wie Todesverachtung, Ertragen von Schmerz oder die Linderung von Kümmernissen besprochen.
    • De natura deorum („Vom Wesen der Götter“; religionsphilosophisch; teilweise verloren): Wie stellten sich die Epikureer und die Stoiker die Götter vor?
    • De divinatione (Über die Weissagung) und De fato (Über das Schicksal) behandeln der stoischen Mantik (Glaube an gottgesandte Zeichen und deren Erkennbarkeit sowie der Lehre, dass der Lauf der Welt lückenlos vorbestimmt sei).
    • De officiis (Vom pflichtgemäßen Handeln)

2.3 Gaius Sallustius Crispus (Sallust; 86 – 35 v. Chr.)

  • Berichte von der catilinarischen Verschwörung (De coniuratione Catilinae) und dem Krieg mit dem Numider-König Iugurtha (111 – 105 v. Chr.; Bellum Iugurthae) überliefert.
    • Charakteristisch für seine Schriften: Er rechtfertigt seine schriftstellerische Tätigkeit, bietet Rückblicke in die Vorgeschichte der jeweiligen Ereignisse, er charakterisiert Hauptpersonen und wendet dramatische Gestaltung an. Er hat dabei auf die chronologisch getreue Darstellung der Ereignisse zugunsten einer tieferen Verknüpfung und künstlerischen Gestaltung der Ereignisse verzichtet.
  • Historien von Sullas Tod (78 v. Chr.) bis 67 v. Chr. (unvollständig erhalten; unvollendet).
  • Angebliche Briefe an Caesar aus den Jahren 50 und 46 v. Chr. gelten heute anerkanntermaßen als unecht.

2.4 Cornelius Nepos (100 – 24 v. Chr.)

  • Begründer der Biographie in Rom
  • Hauptwerk De viris illustribus (Berühmte Männer; teilweise überliefert): Ähnlich wie später Plutarch mit seinen Doppelbiographien stellt Nepos hier immer einen Römer einem Griechen oder einem anderen Nichtrömer gegenüber.

2.5 Gaius Valerius Catullus (Catull; ca. 84 – 54 v. Chr.)

  • Carmina (Gedichte)
    • Teil 1 (c. 1 – 60) sind kleinere Lieder, formverschieden, überwiegend in Elfsilblern und Hinkjamben verfasst.
    • Teil 2 (c. 61 – 68) vereint die größeren Dichtungen hellenistischer Prägung.
    • Teil 3 (c. 69 – 116) sind kürzere oder längere Epigramme und wie Teil 1 überwiegend Gelegenheitsgedichte.

2.6 Publius Vergilius Maro (Vergil; 70 – 19 v. Chr.)

  • Aeneis: Geschichte des Aeneas, der nach dem trojanischen Krieg aus dem brennenden Troja flieht und auf diversen göttlich so gewollten Umwegen (u.a. nach Karthago, wo er Dido trifft) nach Latium.
  • Bucolica (Eklogen): Hirtengedichte, die im Einzel- oder Wechselgesang vorgetragen wurden; Vergil zeichnet hierbei jedoch nicht wie sein Vorbild die heile Welt eines ruhigen, heiteren Landlebens, sondern voller Schwermut seine Erlegbniswelt mit der Not und dem Leid der Zeit.
  • Georgica: Lehrgedicht über den Landbau.

2.7 Quintus Horatius Flaccus (Horaz; 65 – 8 v. Chr.)

  • Epoden: In Form von Jamben spottet und parodiert Horaz, allerdings immer mit der Absicht zu bessern und zu heilen.
  • Satiren: Nach dem Vorbild des Lucilius stellt Horaz die philosophische Frage nach der rechten Lebensführung in den Mittelpunkt seines Sinnens und Dichtens.
  • Oden: Die formale Gestaltung lässt erkennen, dass Horaz lange an ihnen gearbeitet haben muss.
  • Briefe: Schwebende Zwischenform zwischen Dichtung und Prosa; ähnlich wie seine Satiren, jedoch diesmal in Briefform und in einer umsichtigeren, taktvolleren und persönlicheren Art und Weise geschríeben.

2.8 Publius Ovidius Naso (Ovid; 43 v. Chr. – 15 n. Chr.)

  • Metamorphosen: Etwa 250 Verwandlungssagen aus der griechischen Mythologie.
  • Tristia, Epistulae ex Ponto: Trauerlieder des verbannten Ovids
  • Ars amatoria: Liebeskunst
  • Amores: Liebesgedichte
  • Fasti: Festtagskalender

2.9 Titus Livius (ca. 59 v. Chr. – ca. 17 n. Chr.)

  • Ab urbe condita: Annalistisch angelegte Geschichte Roms von der Gründung der Stadt an (in 142 Büchern; einige Bücher sind komplett erhalten (u.a. die von der Beschreibung des zweiten Punischen Krieges), von den anderen gibt es Fragmente (u.a. zu Ciceros Tod) und Inhaltsangaben.

3 Nachklassik (20 – 180 n. Chr.)

3.1 Marcus Valerius Martialis (Martial; ca. 40 – 104 n. Chr.)

  • Epigramme: 1. Buch (Liber spectaculorum, Buch der Schauspiele): Jede Nummer, die anlässlich der Einweihung des gigantischen Kolosseums stattfindet (seien es Tierkämpfe oder Hinrichtungen von Verbrechern), erhält ein Epigramm. 13. + 14. Buch: Bei den Saturnalien war es üblich, Geschenke zu versenden oder bei einem Gelage zu verlosen, jeweils mit einer Aufschrift dazu. Martial macht mit seinen Epigramme Vorschläge dafür (Form eines Distichons).
  • Hauptwerk Epigramme: Martial als Beobachter der buntgemischten hauptstädtischen Gesellschaft, als Moralist und Spötter.

3.2 Decimus Iunius Iuvenalis (Juvenal; ca. 60 – ca. 135 n. Chr.)

  • Satiren: Thema sind die krassen sozialen Missverhältnisse und der allgemeine Sittenverfall.

3.3 Lucius Annaeus Seneca („der Jüngere“; ca. 1 v. Chr. – 65 n. Chr.)

  • Die Dramen: Medea, Hercules furens (Der rasende Herkules), Troades (Die Troerinnen), Phoenissae (Die Phönissen), Phaedra, Oedipus, Agamemno, Thyestes, Hercules Oetaeus (Herkules auf dem Öta): Bearbeitungen griechischer Vorbilder von Aischylos, Sophokles und Euripides.
  • Apocolocyntosis: Schmähschrift (Verkürbissung) des Kaiser Claudius
  • Philosophische Schriften:
    • De beneficiis (Über Wohltaten): Über die Hilfeleistungen und Vorteile, die man einzelnen Personen zukommen lässt: Der Schenkende fragt sich, ob sein Gegenüber die Gabe verdient. Je mehr er auf eine Gegenleistung hoffen kann, desto eher schenke er.
    • De clementia (Über die Milde): Anleitung für den jungen Nero zum Maßhalten und zur Selbstkontrolle.
    • Naturales quaestiones (Physikalische Probleme): Erörterung von meteorologischen (zum Beispiel Wolken, Winde, Regenbogen) und geographische Themen (terrestrische Wasser, Nil). Hauptquelle ist vermutlich Poseidonios. Seneca rechtfertigt seine Schrift teils mit einer ethischen Förderlichkeit als auch damit, dass die Kenntnis der Natur von Furcht befreit und das Beste ist, dessen sich der Mensch bemächtigen kann.
    • Epistulae morales ad Lucilium: 124 Briefe sind erhalten. Es handelt sich dabei um Kunstbriefe, die von vornherein für die Veröffentlichung bestimmt waren. Thema ist die stoische Ethik.
    • De providentia (Über die Vorsehung): Erörterung des Theodizeeproblems
    • De ira (Vom Zorn) und De constantia sapientis (Über den Gleichmut des Weisen) versuchen die Frage zu klären, ob der Zorn genannte Affekt stets etwas Schlechtes oder unter gewissen Umständen auch etwas Gutes sei. Seneca lehnt – ganz der Stoiker – dabei jede Form und jedes Maß des Zornes ab. (Böses Beispiel in den Schriften ist der als jähzornig geltende Kaiser Caligula.) Die zweite Schrift bringt ein positives Gegenbild zum Zornigen vor: den Weisen, der sich weder durch ein Unrecht noch durch eine Beleidigung beeindrucken lässt.
    • Consolatio ad Marciam: Versuch, den Schmerz über den Verlust eines Sohnes zu beiseitigen oder zu lindern.
    • De vita beata: Seneca wurde vorgeworfen, er, der zu den reichsten Männern Roms gehörte, gebe ein schlechtes Bild des gemeinen Philosophen ab. Diese Schrift ist seine Rechtfertigung, dass auch der Philosoph Reichtümer sein eigen nennen dürfe, solange er sich nicht innerlich davon abhängig mache und jederzeit, ohne ihnen nachzutrauern, wieder auf sie verzichten könne.
    • In den beiden Schriften De otio (Von der Zurückgezogenheit) und De tranquillitate animi (Von der Seelenruhe) befasst sich Seneca mit der Frage, bis zu welchen Grenzen ein Philosoph verpflichtet sei, sich politisch zu betätigen.
    • De brevitate vitae (Von der Kürze des Lebens): Hauptthese des Essays ist: Das Leben ist gar nicht kurz, wenn die Genusssucht, Habgier, Ehrgeiz und Machthunger nicht die Überhand nehmen, sondern man sich philosophischen Studien widmet.
    • Consolatio ad Polybium: Der Kummer des Adressaten, der einen Bruder verloren hatte, dient als Vorwand für ein kaum verhülltes Gnadengesuch bei Nero.
    • Consolatio ad Helviam matrem: Trostschrift aus dem Exil an seine Mutter

3.4 Titus Petronius Arbiter (unbekannt – 66 n. Chr.)

  • Die Cena Trimalchionis ist der größte zusammenhängende Teil eines leider nur fragmentarisch erhaltenen Briefromans Satyrica (Schelmengeschichten). In ihr gibt Trimalchio, ein schwerreicher Freigelassener, ein Gastmahl mit den sonderbarsten Gerichten.

3.5 Plinius, der Jüngere (61 – ca. 113 n. Chr.)

  • Kunstbriefe (epistulae) an die verschiedensten Adressaten. Unter ihnen sind die beiden berühmten Schilderungen des Vesuvausbruchs (VI 16; VI 20) an seinen Freund Tacitus sowie die berühmte Korrespondenz mit Kaiser Traian (X 96; X 97), auch bekannt als „Christenbriefe“.

3.6 Plinius, der Ältere (ca. 23 – 79 n. Chr.)

  • Naturalis historia (Naturgeschichte): Eine Enzyklopädie des gesamten damaligen Wissens in 37 Büchern.

3.7 Gaius Suetonius Tranquillus (ca. 70 – 130 n. Chr.)

  • De vita Caesarum (Kaiserbiographien): Biographien von Caesar bis Domitian, nahezu vollständig erhalten.

3.8 Cornelius Tacitus (ca. 54 – ca. 120 n. Chr.)

  • Agricola: Monographie über seinen Schwiegervater Agricola, der sich als Heerführer und Statthalter in Britannien hervorgetan hatte.
  • Germania: Im ersten Teil berichtet Tacitus über Land, Herkunft, Religion und Lebensart der Germanen, im zweiten werden die einzelnen Stämme charakterisiert.
  • Historiae: Annalistisch angelegte Zeitgeschichte in wahrscheinlich 14 Büchern, von denen nur die Bücher 1-4 und der Anfang des 5. Buches erhalten sind, über die flavischen Kaiser (69 – 96 n. Chr.). Die Frage, wie es zu den Zuständen, die in den Historien geschildert werden, kommen konnte, klärte Tacitus in den
  • Annales: Ursprünglich vermutlich in 16 Büchern, wird in den Annalen die Zeit vom Tod des Augustus (14 n. Chr.) bis zum Ende des Jahres 68 n. Chr. berichtet. Knapp zwei Drittel des Werkes sind erhalten.

3.9 Marcus Aurelius (121 – 180 n. Chr.)

  • Selbstbetrachtungen (philosophisch).

Quellen

Buch- und Internetquellen

  • Erich Schweizer-Ferrari: Lateinische Literaturgeschichte (leider nicht mehr online; Stand Oktober 2010)
  • Manfred Fuhrmann: Geschichte der römischen Literatur. Reclam Stuttgart 2005.
  • Oliver Schütze (hrsg.): Griechische und römische Literatur. J.B. Metzler Stuttgart, Weimar 2006

Bildquellen

9. December 2008

Die Rote Kapelle (Harnack/Schulze- Boysen- Organisation)

Der folgende Aufsatz ist eine Abhandlung zum Thema "Die Rote Kapelle - Widerstand gegen Hitler".

Die Rote Kapelle allgemein

Unter der “Roten Kapelle” versteht man eine Widerstandsorganisation gegen Hitler, die mit 130 Mitgliedern weit größer als zum Beispiel die “Weiße Rose” war.

Das Wort « Kapelle » gehörte seit langem zum Vokabular der Abwehr (als Abwehr wurden ab 1920 bis 1944 alle entsprechenden Dienststellen der Reichswehr und später der Wehrmacht bezeichnet, die mit Spionageabwehr, Spionage und Sabotage beauftragt waren). Die Offiziere des Admirals Wilhelm Canaris bezeichneten jede feindliche Spionagegruppe mit ihren Kurzwellensendern (« Pianos »), ihren Funkern (« Klavierspielern ») und ihren Chefs (« Dirigenten ») als eine Kapelle. Da es nach dem Auftauchen zahlloser Funkgruppen der alliierten Geheimdienste üblich geworden war, die Kapellen nach ihren Operationsgebieten (etwa « Seekapelle » oder « Ardennenkapelle ») oder nach ihren Auftraggebern zu benennen, hatte die Abwehr für den zuerst georteten Agentensender, der mit dem Rufzeichen PTX Moskau anfunkte, den Namen « Rote Kapelle » geprägt.

Gründung, Tätigkeiten und gewaltsames Ende der Organisation

Die Rote Kapelle hat sich nie selbst als einheitliche Gruppe gesehen, sondern war eher ein loses Netzwerk aus verschiedenen unabhängig voneinander agierenden oppositionellen Freundeskreisen, die sich um 1933 formierten; diese Freundeskreise bestanden aus Frauen und Männern, Jungen und Alten, Arbeitern und Intellektuellen, Angestellten und Künstler, Soldaten und Offizieren, Christen, Atheisten, Sozialisten und Kommunisten. Die Rote Kapelle hat sich selbst nie einen Namen gegeben; der Name “Rote Kapelle” wurde ihr erst von den Nationalsozialisten gegeben. Zusammenkünfte, Diskussionen und Geselligkeiten bildeten häufig den Ausgangspunkt für ein vorsichtiges Miteinander mit anderen Gegnern des nationalsozialistischen Regimes.

Die Rote Kapelle bot Verfolgten Unterschlupf und hat mit dem Verbreiten von Flugschriften (AGIS) und Klebezetteln mit regimekritischen Inhalten versucht, mehr Anhänger zu gewinnen; auch hat die Rote Kapelle zu Gehorsamsverweigerung gegenüber NS- Vertretern aufgerufen. Sie hat Kontakt zu anderen Oppositionskreisen (zum Beispiel zur Weißen Rose) und ausländischen Zwangsarbeitern aufgenommen und hat Entwürfe für eine mögliche Nachkriegsordnung erstellt. Die Mitglieder der Gruppe haben sowohl mit der Sowjetunion als auch mit anderen Ländern, die gegen das nationalsozialistische Regime waren, zusammengearbeitet, so zum Beispiel mit Amerika. Die Rote Kapelle hat Informationen über deutsche Kriegsvorbereitungen, Kriegsverbrechen und NS- Verbrechen gesammelt und auch an Auslandsvertreter weitergegeben (die Rote Kapelle agierte neben Deutschland auch in Frankreich, Belgien, Schweiz und Niederlande).

Im Juli 1942 wurde der Funkverkehr einer belgischen Abteilung der Roten Kapelle dechiffriert, wodurch die Nationalsozialisten an die Namen und Adressen von einem Großteil der Mitglieder kamen. Bis zum 12. September wurden 120 Angehörige der Gruppe verhaftet; durch deren Verhöre oder Bespitzelung in der Zelle wurden dann in Berlin bis Juni 1943 nochmals 80 Personen aus dem Umfeld des Kreises inhaftiert.

Über 76 Mitglieder der Roten Kapelle wurde das Todesurteil wegen “Landes- und Hochverrats” gesprochen; davon wurden 65 Todesurteile tatsächlich vollstreckt. 50 Personen wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt; vier Männer begingen während der Haft Selbstmord.

Harro Schulze- Boysen

« Es lebe der Mensch, der Herr über seine Wünsche ist. Sein Herz umfaßt die ganze Welt, den ganzen Schmerz der Welt. Das Böse und Häßliche, Lüge und Grausamkeit sind seine Feinde. Alle Stunden des Daseins opfert er dem Kampf, sein Leben ist voll stürmischer Kämpfe und hoher Freuden, voll stolzer Standhaftigkeit. Schone dich nicht, das ist die schönste und edelste Weisheit auf Erden! »H. Schulze- Boysen

In Kiel kommt Harro am 2. September 1909 zur Welt, verbringt in Berlin und Duisburg die Kindheitsjahre. Mehrfacher Aufenthalt bei gastlichen Freunden in Schweden, 1926 längerer Ferienbesuch bei einer britischen Familie in Liverpool und den schottischen Bergen bieten ihm Gelegenheit, Deutschland von außen zu sehen. Um dieselbe Zeit betätigt er sich mit Begeisterung im « Jungdeutschen Orden ». Frühzeitig beschäftigen ihn politische und soziale Fragen. Das nach gut und leicht bestandenem Abitur begonnene Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg und Berlin, wo er sich ein Zimmer im Arbeiterviertel des Stadtostens mietet, um die dortigen Lebensbedingungen einmal selbst kennen zu lernen, bleibt unvollendet.

Im Sommer 1932, dreiundwanzigjährig, tritt er in die Redaktion der von Franz Jung gegründeten politischen Monatsschrift « Der Gegner » ein, deren Hauptschriftleiter er bald danach wird. Sie strebt den Zusammenschluss der fortschrittlichen, durch Partei- und Nationalitätenhader noch zerspaltenen Jugend aller Lager und Länder an. Im April 1933 wird die Zeitschrift verboten. Schulze-Boysen wird von der Schutzstaffel (SS) verhaftet, seine Wohnung und das Büro werden ausgeplündert. In einem der berüchtigten Folterkeller Berlins wird er grausam mißhandelt. Nur durch das diplomatische Geschick und tatkräftige Eingreifen seiner nach Berlin herbeigeeilten Mutter gelingt nach etlichen Tagen seine Befreiung. Daraufhin entschließt er sich, einen einjährigen Ausbildungskursus an der Verkehrsfliegerschule in Warnemünde durchzumachen; nach erfolgreichem Abschluss wird er der Nachrichtenleitung des Luftfahrtministeriums als Angestellter überweisen. 1936 heiratet er Libertas, geb. Haas-Heye. 1938 erhielt er wieder Kontakt zu Arvid Harnack und dessen Kreis. Auch zu den Kommunisten um Hilde und Hans Coppi wurde die Verbindung wieder enger. 1940 wird er wegen des Mangels an Lehrkräften und seiner ausgezeichneten Kenntnisse nebenamtlich mit Abhaltung von Vortragskursen im “Auslandswissenschaftlichen Seminar der Universität Berlin” beauftragt.

Im Juli 1942 wird der Funkverkehr einer belgischen Gruppe der Roten Kapelle entschlüsselt, in dem auch seine Adresse steht. Am 31. August wird Harro Schulze-Boysen in seinem Büro im Reichsluftfahrtministerium verhaftet, Libertas, die in Panik gerät, als er am Abend nicht heimkehrt und zu Freunden läuft, erst einige Tage später. Am 19. Dezember wird er wegen “Vorbereitung zum Hochverrat” und “Landesverrats” zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee erhängt.

Arvid Harnack

Arvid wird am 25. Mai 1901 in Darmstadt geboren; seine Kindheit verbringt er in Stuttgart, wo sein Vater Literaturgeschichte und Ästhetik lehrt. Nach Abschluss des humanistischen Gymnasiums in Jena studiert er Jura in Graz und Jena, wo er über planwirtschaftliche Versuche des Reichswirtschaftsministeriums promoviert.

Anschließend geht er erst nach London an die School of Economics und dann nach Madison, Wisconsin. Hier lernt er seine spätere Frau, Mildred Fish, kennen. Als er wieder in Deutschland ist, promoviert er zum Dr. phil. bei Professor Friedrich Lenz in Gießen, der 1931 eine wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft gründet, kurz ARPLAN genannt, deren Geschäftsführer Arvid Harnack wird. 1932 organisiert er für eine 24- köpfige Gruppe von Ingenieuren und Nationalökonomen eine Studienreise in die Sowjetunion. Ein Jahr später baut er einen Diskussionszirkel auf, der sich mit der Erörterung politischer Perspektiven nach dem erwarteten Sturz der Nationalsozialisten befasste. Ab April 1935 bekommt er - zunächst als Referent - eine Stelle im Reichswirtschaftsministerium. Während er dort als Amerika- Experte arbeitet, bietet ihm die Tatsache, dass er 1937 der NSDAP beigetreten ist, eine nach außen hin perfekte Tarnung. 1936 nimmt er vertraulich Kontakt zur sowjetischen und zur US-amerikanischen Botschaft auf, um sie über die aus Deutschland drohende Kriegsgefahr zu informieren. Mildred weiß von diesen Kontakten und hilft ihrem Mann dabei.

Durch Kontakte 1939 zu Harro Schulze- Boysen und 1940 zu Hilde und Hans Coppi entsteht das später als « Rote Kapelle » bekannte Widerstandsnetz. 1940/1941 hat die Gruppe Kontakt mit dem Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Berlin; dabei wird versucht, diese von dem bevorstehenden deutschen Krieg gegen die Sowjetunion in Kenntnis zu setzen. 1941/42 sammelt Harnack weitere Gegner des nationalsozialistischen Regimes, u.a. in Berlin und Hamburg. Am 7. September werden Arvid und Mildred Harnack verhaftet; Arvid wird vom Reichskriegsgericht zum Tode durch den Strang verurteilt (Durchführung ist am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee), Mildred wird zunächst zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Aufhebung des Urteils durch Hitler und einer zweiten Hauptverhandlung wird Mildred Harnack am 16. Januar zum Tode verurteilt und enthauptet.

Die Rote Kapelle nach Kriegsende 1945

Die Arbeit und der Einsatz von Widerstandsgruppen wie der Weiße Rose oder des Kreisauer Kreises (Elisabeth von Thadden!) wurden nach Kriegsende in Deutschland vielfach gewürdigt. Die Arbeit der Roten Kapelle dagegen blieb äußerst umstritten: die Überlieferung der nationalsozialistischen Verfolgungsinstanzen (bzw. Richter Roeder), nach der die Frauen und Männer um Harnack und Schulze- Boysen “bezahlten Landesverrat” begangen hätten, wirkte weit in die Nachkriegszeit hinein. Der Kalte Krieg und die Ost- West- Konfrontation beförderten diese einseitige Sicht. Die Rote Kapelle wurde zur größten Spionage- Organisation des Zweiten Weltkrieges hochstilisiert und wurde mit einem unentwirrbaren Geflecht von Legenden und politischen Klischees umwoben.

In der BRD waren überlebende Mitglieder der Widerstandsorganisation zahlreichen Diffamierungen ausgesetzt und bemühten sich vergeblich um Wiedergutmachungsleistungen und eine öffentliche Würdigung der Roten Kapelle.

In der DDR wurde die Harnack/Schulze- Boysen- Organisation als Beleg für die Legende von der ungebrochenen Kontinuität des von der KPD geführten Widerstandes anerkannt. Ihre Mitglieder wurden als erfolgreiche Kundschafter gefeiert.

Erst 50 Jahre nach dem Ende der Roten Kapelle förderten der Umbruch in Osteuropa und die damit verbundene Öffnung der Archive neues, bislang nicht zugängliches Material zutage. Jetzt konnte allmählich ein umfassenderes und genaueres Bild von den Arbeiten der Roten Kapelle gezeichnet werden.

Quellen

Für diese Arbeit habe ich folgende Quellen benutzt:

  • Stefan Roloff, Die Rote Kapelle - Ullstein 2004
  • Kurt Schilde (hrsg.), Eva- Maria Buch und die « Rote Kapelle » - Overall 1993
  • Elsa Boysen, Harro Schulze- Boysen - Komet 1947
  • Heinz Höhne, Kennwort Direktor - S. Fischer 1970
  • Hans Coppi (u.a.; hrsg.), Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Edition Hentrich 1994
  • Shareen Blair Braysac, Mildred Harnack und die Rote Kapelle - Scherz 2003

Im Internet habe ich bei folgenden Ressourcen nachgeschlagen:

1. December 2008

Die etruskische Sprache und ich

Ausschlaggebend für diesen kleinen Aufsatz war die GFS meiner Klassenkameradin Eva A. Langbein über die Etrusker und (als es um die Sprache der Etrusker ging) der Satz meiner Latein- Lehrerin, bei der die GFS gehalten wurde: "Na, Hans, wäre das nicht mal was?" Um diesen auf den ersten Blick doch irgendwie fremd aussehenden Satz verstehen zu können - oder, um es anders auszudrücken, den Sinn dieses seltsamen Satzes in seine Birne reinzukriegen -, muss man zuerst wissen, was sich davor abgespielt hat. Das werde ich im folgenden versuchen zu repetieren - "versuchen" deshalb, weil zwischen dem Halten der GFS und dem Schreiben dieses Aufsatzes mehrere Stunden, wenn nicht Tage liegen.

Versuch einer Erklärung oder
Warum kann die etruskische Sprache bis heute nicht interpretiert werden?

Ausschlaggebend für diesen kleinen Aufsatz war die GFS meiner Klassenkameradin Eva A. Langbein über die Etrusker und (als es um die Sprache der Etrusker ging) der Satz meiner Latein- Lehrerin, bei der die GFS gehalten wurde: “Na, Hans, wäre das nicht mal was?” Um diesen auf den ersten Blick doch irgendwie fremd aussehenden Satz verstehen zu können - oder, um es anders auszudrücken, den Sinn dieses seltsamen Satzes in seine Birne reinzukriegen -, muss man zuerst wissen, was sich davor abgespielt hat. Das werde ich im folgenden versuchen zu repetieren - “versuchen” deshalb, weil zwischen dem Halten der GFS und dem Schreiben dieses Aufsatzes mehrere Stunden, wenn nicht Tage liegen.

Beginnen wir also: Eva hielt ihre GFS. Anfangs war sie noch ziemlich nervös, aber das hat sich mit der Zeit dann auch gelegt. Verzeihen Sie, dass ich diesen eigentlich recht unwichtigen Fakt auch noch in diesen hochwissenschaftlichen Aufsatz reinbringe, denn indem ich diesen eigentlich recht unwichtigen Satzteil hier hereinwerfe, wird dieser Satz automatisch wie von selbst in die Länge gezogen, denn indem ich solch unwichtige Dinge wie das, dass Eva vor GFSsen immer ziemlich nervös ist, in diesen Aufsatz, der doch eigentlich ein wissenschaftlicher werden sollte, bringe, mülle ich mir diesen Aufsatz nur zu, obwohl ich natürlich weiß, dass der geneigte Leser durch Anspielungen auf Thomas Bernhard vielleicht mehr Lust hat, diesen Aufsatz, der in seinem späteren Verlauf noch ziemlich wissenschaftlich werden wird, zu lesen, denn indem ich solch unwichtige Satzfetzen immer wieder und wieder in einem einzigen Satz einbringe, weiß ich, dass der Leser mir vielleicht dann auf meinem Weg in das Reich der Etrusker, das ja - wie ich gehört habe - sehr spannend sein soll, folgen wird und sich von der faszinierenden Welt der etruskischen Sprache und der doch eigentlich recht seltsamen Tatsache, dass es bis heute, der wir im 21. Jahrhundert leben, fast unmöglich ist, obwohl man die Buchstaben hat, die wenigen Schriften, die erhalten sind, zu entschlüsseln und in schönes Deutsch zu übersetzen, gefangen nehmen lässt.

Haben Sie diese kleine Anspielung auf Thomas Bernhard gemerkt? Ich hoffe doch! Man denke nur an seinen ersten Satz aus “Alte Meister” - er dauert auf einer Hörspielfassung von mir rund 1.5 Minuten!

Nein, im Ernst. Ich musste diesen Satz da einfach reinbringen. Die Eva ist nämlich vor solchen doch recht wichtigen Dingen wie einer GFS immer ziemlich nervös. Aber egal. Weiter im Kontext:

Nach besprechung der Herkunft der Etrusker kam Eva zu dem Punkt “Sprache und Schrift”: Dort erklärte sie uns, dass etruskische Literatur gänzlich fehlt - bereits erste Nachforschungen meinerseits ergaben das Gegenteil: Auch wenn es nur wenige Schriften sind, so sind uns doch einige wenige erhalten. Man denke nur an die Zagreber Mumienbinden, die Tontafel von Capua, den Cippus von Perusia und die Goldbleche von Pyrgi. Es ist zwar nicht viel, was da auf uns gekommen ist, aber immerhin etwas. Und dann sind natürlich auch noch einige Grabsteine, Inschriften etc. aus etruskischer Zeit erhalten.

Aus dieser “Literatur” weiß man das etruskische Alphabet; da allerdings keine etruskische Grammatik auf uns gekommen ist, haben wir zwar die Buchstaben, wissen aber so gut wie gar nicht die Bedeutung dessen, was da vor uns geschrieben steht.

Kapitel 2: Der wissenschaftliche Teil ...

Wie schon gesagt sind uns einige wenige Schriften, die man allerdings kaum mehr Schriften, sondern eher Fragmente nennen kann, erhalten. Da wären zum Beispiel:

  • Die Zagreber Mumienbinden
  • Die Tontafel von Capua
  • Der Cippus von Perusia
  • Die Goldbleche von Pyrgi ...
  • ... und natürlich einige Grabsteine, Inschriften ...

Die heutige Wissenschaft kennt auch das etruskische Alphabet; es sieht dem griechischen Alphabet sehr ähnlich, es wurde nur noch der Buchstabe phi (dt. F) hinzugenommen. Die deutsche Bedeutung einiger etruskischer Wörter weiß man auch; trotz ist es wegen fehlender Grammatik unmöglich, beispielsweise eine etruskische Inschrift ins Deutsche zu übersetzen. Ich gebe zu, ein wenig Grammatik wie Kasussuffixe, Endungen der Verben in verschiedenen Zeiten hat die 2000 Jahre überdauert.

Aber im Großen und Ganzen sind längere Texten bzw. solche mit ausgefallenem Wortschatz bis heute weitgehend unverständlich bzw. in der Deutung kontrovers. (Quelle: Friedhelm Prayon (siehe Literaturangaben))

Eine Lösung zum Problem des Übersetzens wäre ein längerer etruskischer Text mit einer wörtlichen Übersetzung in einer der bekannten Sprachen wie Griechisch oder Latein. Erst dann wird sich die Bedeutung vieler Wörter, die bisher aus dem Kontext nur ungefähr zu erschließen sind, genauer definieren lassen. Entsprechendes gilt für grammatische Fragen. (Quelle: Friedhelm Prayon (siehe Literaturangaben))

Literaturangaben

  • Eva A. Langbein: Die Etrusker (GFS; sowohl Vortrag als auch das danach ausgeteilte Informationsblatt); Informationsblatt © 2008 by Eva A. Langbein
  • Friedhelm Prayon: Die Etrusker (Geschichte, Religion, Kunst); erschienen 2004 bei C.H.Beck Wissen

An dieser Stelle möchte ich meiner Klassenkameradin Eva A. Langbein herzlich danken, dass sie eine GFS zu dem Thema “Die Etrusker” gehalten hat, ohne die dieser Aufsatz jetzt nicht so vor Ihnen liegen würde, wie er jetzt liegt. Weiter möchte dem Archäologen Jens Arne Dickmann von nebenan herzlich danken, der mir das oben erwähnte Buch ausgeliehen hat.

1. February 2008

Wilhelm von Humboldt und die Bildungsreform

« Was verlangt man von einer Nation, einem Zeitalter,
von dem ganzen Menschengeschlecht, wenn man ihm seine
Achtung und seine Bewunderung schenken soll ?
Man verlangt, dass Bildung, Weisheit und Tugend
so mächtig und allgemein verbreitet als möglich
unter ihm herrschen … »Wilhelm von Humboldt, Theorie der Bildung des Menschen

§ 1: Das Leben des Wilhelm von Humboldt

  • 22.6.1767 in Potsdam als Sohn eines preußischen Majors und Kammerherrn geboren.
  • 1769 wurde sein Bruder Alexander von Humboldt geboren, der ein berühmter Naturforscher wurde.
  • Sein Bruder und er besuchten nie eine öffentliche Schule, sondern hatten berühmte Hauslehrer, wie das in aristokratischen Kreisen üblich war.
  • Ab 1787 Studium in Frankfurt/Oder und Göttingen: Jurisprudenz und Altertumswissenschaften, Beschäftigung auch mit Physik und Philosophie.
  • Bekanntschaft mit Georg Forster und anderen wichtigen Philosophen und Forschern.
  • Bekannte sich zu den Ideen der Aufklärung und wurde kurz nach dem Bastillesturm Augenzeuge der französischen Revolution in Paris.
  • Kurze Beamtenkarriere im juristischen Bereich (1790-1791), die er selber aus Desinteresse kündigte.
  • 1791 Heirat mit Caroline von Dacheröden (8 Kinder).
  • Ab 1791 zog er sich zum Selbststudium nach Erfurt und Weimar zurück und verfasste Studien zu Altertumsforschung und Philosophie.
  • Forderte Freiheit der Menschen und Abkehr vom Absolutismus.
  • 1802-1808 als Gesandter Preußens in Rom.
  • Nachdem Preußen von Napoleon erobert worden war und Preußen zusammengebrochen war, wurde Humboldt vom Staatsminister Freiherr vom Stein zum Leiter des preußischen Unterrichtswesens ernannt.
  • Februar 1809 – Juni 1810 Leitung der Sektion für Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium.
  • 1810 Gründung der Universität Berlin.
  • Kündigung Humboldts, weil er keine untergeordnete Stellung akzeptieren wollte.
  • Von 1810-1817 Gesandter in Wien, Frankfurt/Main und London.
  • 1819 Staatsrat und Minister für ständische und kommerzielle Angelegenheiten.
  • Rückzug ins Privatleben.
  • 1820-1829 Vorlesungen vor Akademie für Wissenschaften.
  • ab 1830 wieder Staatsrat mit wenig politischem Einfluss.
  • 1835 starb er in Tegel.

§ 2: Die Bildungsreform - Vorgeschichte

Zwei Aspekte waren im Vorfeld der Reformen maßgeblich:

  1. Der Neuhumanismus wurde zu einer wichtigen, geistigen Bewegung, deren Hauptverfechter Humboldt war. Der Neuhumanismus hatte als Vorbild das antike Griechentum. Folgende Grundsätze waren für den Neuhumanismus wichtig:
    1. Nicht nur der Verstand sollte ausgebildet werden, sondern auch das Gemüt und die Fantasie sollten sich entfalten.
    2. Jeder Mensch sollte eine individuelle Persönlichkeit entwickeln.

§ 3: Das Bildungswesen in Preußen vor Humboldt

Das Bildungswesen war in einem erbämlichen Zustand. Die Schulen im Absolutismus waren lediglich dazu da, die Untertanengesinnung zu fördern, und die Macht des Staates zu mehren. Die „Prügelpädagogik“ herrschte vor. Ansonsten bestand der Unterricht vor allem aus Auswendiglernen. Die Erziehung der unteren Stände wurde meist völlig vernachlässigt und es gab eine große Diskrepanz zwischen den Schulen in der Stadt und denen auf dem Land.

Friedrich Wilhelm I. führte zwar die allgemeine Volksschulpflicht ein, es gab aber viel zu wenig Schulen, um die Massen zu unterrichten.
Freiherr von Zedlitz, der unter Friedrich dem Großen Minister war, versuchte eine erste Reformierung, konnte sich aber mit seinen Vorstellungen nur unzureichend durchsetzen. Es gab weiterhin erbärmliche Schulstuben, überfüllte Klassen und unfähige Lehrer, die oftmals invalide Offiziere, gescheiterte Handwerker oder Pfarrer, die keine Pfarrstelle bekommen hatten, waren, also keine ausgebildeten Lehrer. Oft kam man im Landleben nicht übers Buchstabieren hinaus.

§ 4: Amtsantritt Humboldts

Die Ernennung Humboldts zum Leiter der Kultus und Unterrichtssektion des preußischen Innenministeriums ist in sofern erstaunlich, da Humboldt kein direkter Bildungstheoretiker, kein Verwaltungsfachmann war, und keinerlei Kenntnisse vom preußischen Unterrichtswesen hatte. Aufgrund seines allgemeinen Bildungsdenkens, seines Humanismus und seiner Menschenkenntnis hielt man ihn trotzdem für diese Stelle geeignet.

Seine Unkenntnis der realen Zustände im Schulwesen konnte er durch die Zusammenarbeit mit Männern wie Georg Heinrich Nicolovius und Johann Wilhelm Süvern ausgleichen, die auf diesem Gebiet sehr bewandert waren. Der erste Sektionsbeschluss hatte den Inhalt, in den Elementarschulen die pestalozzische Methode einzuführen.

§ 5: Neuordnung des Schulwesens

Humboldt plädiert für ein einheitliches und allgemein bildendes Schulwesen, das die universale Menschenbildung zum Ziel hat. Die Allgemeinbildung soll von der Berufsbildung getrennt sein. Die ständisch geprägten Schulen sollten abgeschafft werden und allgemein bildende Schulen errichtet werden, um den Unterschied zwischen Arm und Reich abzuschaffen.

Die Untertanenmentalität sollte dem Prinzip des mündigen Bürgers weichen.

Die Schule sollte dreigliedrig werden:

  1. Elementarunterricht -> Elementarschule
  2. Schulunterricht -> Gelehrtenschule/Gymnasium
  3. Universitätsunterricht -> Universität

Ziel des Elementarunterrichts: Allgemeine Grundbildung.

Ziel des Schulunterrichts: Übung der Fähigkeiten und Erwerbung von Kenntnissen, richtiges Lernenlernen.

Ziel des Universitätsunterrichts: gelehrtes Lernen + Forschung.

Spezialschulen für Handwerker, Kaufleute usw. gehörten nicht in diese Dreigliederung hinein, weil sie nicht das Ziel der Allgemeinbildung verfolgten. Sie sollten erst nach Abschluss des Schulunterrichts besucht werden. Die allgemeine Menschenbildung solle erst einmal abgeschlossen werden; erst dann sollte die Berufswahl selbstständig erfolgen.

§ 6: Die Reform der Elementarschule in Preußen

Humboldt strebte an, den Unterricht an den Elementarschulen nach den Ideen Pestalozzis zu gestalten.

Um die Pestalozzi- Methode einzuführen, wurden Schulen gegründet, die nach Möglichkeit von Pestalozzi- Schülern geführt werden sollten. Außerdem wurden junge Männer in die Schweiz zu Pestalozzi geschickt, um von ihm ausgebildet zu werden.
Pestalozzi (1746-1827) war Schweizer. Sein Streben galt einer umfassenden, auf Liebe und Glauben gegründeten Menschenbildung. Der Unterricht musste anschaulich sein und die Einheit von geistiger, sittlicher und körperlicher Entwicklung betonen. Pestalozzi nennt drei Kräfte, die durch Erziehung und Bildung entfaltet werden müßten:

  1. Die Anschauungskraft
  2. Die Sprachkraft
  3. Die Denkkraft

§ 6.1: Ziele der Elementarschule

Ziel der Elementarschule war die Vermittlung von Allgemeinbildung, also nicht die Vermittlung von enzyklopädischem Wissen. Die allseitige Schärfung der Grundkräfte sollte gefördert werden. Jeder Mensch sollte zur Selbstbestimmung befähigt sein und so an der Gestaltung der Welt teilnehmen können.

§ 6.2: Lehrgegenstände der Elementarschule

Vor den Reformen hatten sich die Lehrgegenstände der Elementarschule lediglich auf Lesen, Schreiben, Rechnen und Auswendiglernen erstreckt.

Humboldt forderte nun außer Lesen, Schreiben und Rechnen die richtige Kenntnis der Muttersprache, die Geschichte, die Natur- und Erdkenntnis, Religionsunterricht, Leibesübungen, Zeichnen und Musik im Unterricht unterzubringen.

Die Methodik des Unterrichts sollte so ausgerichtet sein, dass ein produktives, auf die Einsicht des Kinder orientiertes Lernen möglich sei. Die Verbindung von Einsicht und Handeln sollte gefördert werden. Die frühere Methode des Abfrage- und Frontalunterrichts lehnte Humboldt ab.

Schwierig war die Umsetzung solcher Ideen, da die Schulen sich – wie schon erwähnt – in erbärmlichem Zustand befanden, und die Lehrer keinerlei Ausbildung in diesen neuartigen Methoden hatten. Der erste Schritt war also eine Verbesserung der Lehrerausbildung.

Der Abschluss der Elementarschule erfolgte – wie heute auch – mit ungefähr 9 Jahren.

§ 7: Die Reform des höheren Schulwesens in Preußen

In Preußen gab es vor der Reform sehr viele unterschiedliche Schultypen, die von den ärmlichen Stadtschulen über die Latein- und Gelehrtenschulen bis zu den akademischen Gymnasien reichten. Diese Schulen waren sehr uneinheitlich, es gab keine gemeinsame Zielvorstellung geschweige denn einen gemeinsamen Lehrplan; das wollte Humboldt ändern. Nach seinen Vorstellungen sollte es nur einen höheren Schultyp mit der einheitlichen Bezeichnung « Gymnasium » geben.

Nach Humboldts Willen sollten auf der Elementarschule die Grundlagen der Menschenbildung geschaffen werden, und auf dem Gymnasium sollte sich die reine Bildung derjenigen Schüler entfalten, die eine höhere Schulbildung durchlaufen wollten.

Das Hauptziel des Gymnasialunterrichts sollte nach Humboldt die Ausbildung des Geistes und Gemüts sein. Der Unterricht sollte universal sein, d.h. weder durch ständische noch durch berufliche Interessen beeinflusst sein.

Um diesen Anspruch zu erfüllen, mussten die Lehrer besser ausgebildet werden als bisher. Es sollte spezielle Lehrer nur für das Gymnasium geben, die eigens dafür ausgebildet wurden und es wurden neue Prüfungen für Schulamtsbewerber am Gymnasium eingeführt.

§ 7.1: Lehrgegenstände und Unterrichtsmethoden am Gymnasium

Der Unterricht am Gymnasium sollte den Menschen in seiner Ganzheit ansprechen. Das Pestalozzische Prinzip der Bildung des Körpers, des Herzens und der Hand sollte auch im Gymnasium gelten.

Wichtig war die gleichmäßige Übung aller Hauptkräfte; der sprachliche, mathematische und historische Unterricht nahm hierbei eine zentrale Rolle ein. Zum Sprachunterricht gehörten sowohl die Muttersprache als auch Fremdsprachen mit Schwerpunkt auf den alten Sprachen, wobei Humboldt Latein und Griechisch mehr Bedeutung als dem Hebräischen zumaß; Humboldt – als ein großer Bewunderer des antiken Griechentums – war der Meinung, dass die Griechen dem Ideal der reinen Menschenbildung am besten entsprachen. Beim Sprachunterricht sollte es sich nicht nur um reinen Grammatikunterricht handeln, sondern auch um Sprachpsychologie und –philosophie. Auch sollte eine möglichst breite Kenntnis der jeweiligen Literatur vermittelt werden. Die Sprache war für Humboldt die Quelle aller Gedanken und Empfindungen und daher ganz besonders wichtig als Unterrichtsfach am Gymnasium.

Die Mathematik war wichtig für die Ausbildung des Verstandes und stellte die beste Möglichkeit dar, den Geist zu schulen.

Neben diesen drei Schwerpunkten (Sprachen, Mathematik, Geschichte) sollte es auch Unterricht in Zeichnen, Musik und Gymnastik geben. Die Gymnastik (wieder nach dem Vorbild der alten Griechen) diente der harmonischen Ausbildung aller Kräfte und der Gesundheit des Körpers. Durch das Zeichnen wird das Anschauungs- und Darstellungsvermögen geübt. Die Musik sollte einen positiven Einfluss auf den Charakter ausüben und die Schüler an Wohlklang und Rhythmus gewöhnen.

Dem Schüler sollte ein Höchstmaß an Freiheit zugestanden werden, damit er seinen Kräfte frei entfalten könne. Humboldt forderte sogar eine Einteilung der Klasse nach Neigung und nicht nach Alter, womit er sich allerdings nicht durchsetzen konnte.

§ 7.2: Das Ziel der höheren Schule

Wenn der Schüler imstande war, für sich selbst zu lernen und den Lehrer also nicht mehr benötigte, war für Humboldt das Ziel der höheren Schulbildung erreicht. Mit dem Schulabschluss begann die freie Selbstbildung.

§ 7.3: Abiturprüfungen

Durch die Uneinheitlichkeit des Gelehrtenschulwesens vor den Reformen gab es faktisch keine Regelung darüber, wer an die Universität gehen konnte und wer nicht; so gelangten viele unfähige Studenten an die Universität.

Um dem einen Riegel vorzuschieben, verlangte Humboldt die Einführung von Abiturprüfungen für die höhere Schule. Das Abitur bestand aus mündlichen und schriftlichen Prüfungen in allen Fächern. Vorraussetzung dafür war natürlich, dass es nur noch das Gymnasium als höhere Schule geben sollte. So war die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen gewährleistet. Die Ergebnisse der Abiturzeugnisse wurden in drei Stufen eingeteilt, die den Prüflingen „unbedingte Tüchtigkeit“, „bedingte Tüchtigkeit“ oder „Untüchtigkeit“ attestierten. Wer mit den ersten beiden Abstufungen bestand, konnte nun die Universität besuchen; dem Unglücklichen, der das Prädikat „Untüchtigkeit“ erhielt, blieb der Zugang zur Universität verwehrt.

Ebenso, wie es eine einheitliche Abschlussprüfung für die Schüler gab, wurde auch eine einheitliche Prüfung für die Lehramskandidaten für die höhere Schule eingeführt, um die Qualität der Schule zu verbessern.

Humboldt lieferte zwar die Ideen und generellen Forderungen zur Schulreform, die praktische Ausführung übernahm jedoch meistens sein Kollege Süvern.

§ 8: Universität

Humboldts größte Tat war die Gründung der Universität Berlin, wohin die wichtigsten Gelehrten Deutschlands berufen wurden: z.B. Fichte, Schleiermacher und Savigny.

Universitäten sollten das Ideal der allgemeinen, universalen Bildung verkörpern. Humboldt wollte also keine Fachakademien wie z.B. die schon bestehende Tierarznei- Schule, Bergakademie, Collegium medico-chirurgicum usw..

Außer der Freiheit der Lehre forderte er auch noch die Einheit zwischen Forschung und Lehre, d.h. der Lehrer sollte auch Forscher sein, denn nur wer Forschungsergebnisse selbst gewonnen hat, kann diese als Erkenntnis lehren.

Zwischen Studenten und Professoren sollte ein reger Gedankenaustausch stattfinden. Der Professor sollte nicht mehr wie bisher für den Studenten dasein, sondern beide sollten der Wissenschaft dienen.

Wichtig sollte außer der Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten die Freiheit und Einsamkeit der einzelnen Person sein, damit diese sich ganz dem Studium widmen konnte.

§ 9: Wissenschaftliche Deputation

Freiherr vom Stein regte die Errichtung einer wissenschaftlichen Deputation zur Unterstützung der Schulreformen an. Es sollte eine Abordnung unabhängiger Wissenschaftler und Gelehrter sein, die Ideen und Anregungen liefern sollten. Humboldt griff diesen Gedanken auf und auf seinen Antrag hin wurde 1810 eine solche wissenschaftliche Deputation gegründet. Die Mitglieder der Deputation waren allerdings so verschiedener Meinung und oftmals untereinander zerstritten, so dass keine nennenswerten Ergebnisse erzielt wurden und die Deputation 6 Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgelöst wurde.

§ 10: Rücktritt Humboldts

Im April 1810 bat Humboldt um seine Entlassung aus seiner Tätigkeit als Leiter der Sektion für Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium. Seine Stellung war den Ministern untergeordnet und er konnte keine eigenen Entscheidungen treffen. Seine Versuche, Gleichberechtigung zu den Ministern zu erlangen bzw. ein eigenes Unterrichtsministerium zu gründen, scheiterten und somit empfand Humboldt seine Situation als unhaltbar. Er wollte sich nicht Ministern unterordnen, denen er nach seiner eigenen Einschätzung überlegen war. Sein Entlassungsgesuch wurde vom König im Juni gleichen Jahres angenommen.

§ 11: Die Bildungsreform nach Humboldts Ausscheiden aus dem Amt

Nach dem Ausscheiden Humboldts aus seinem Amt gab es zunehmende Proteste gegen die Reform. 5 Monate nach seinem Ausscheiden übernahm Friedrich von Schuckmann sein Amt. Dieser war Verwaltungsfachmann, hatte aber auf dem Gebiet des Bildungswesens nur wenig Ahnung.Nun standen nicht mehr die inhaltliche Gestaltung des Bildungswesens im Vordergrund, sondern nur noch die Verwaltung.

Zunehmend kam die alte Version des Bildungswesens, wie sie Humboldt vor Amtsantritt angetroffen hatte, wieder zur Geltung.

Quellen

  • Pascal Max: Wilhelm von Humboldts Vorstellungen zur Neuordnung des öffentlichen Schulwesens und deren Beurteilung im deutschsprachigen Raum während des 20. Jahrhunderts. HAAG+HERCHEN 1996.
  • Wilhelm von Humboldt: Werke in fünf Bänden (hier: Band IV). Hrsg. von Andreas Flitner und Klaus Giel. WBG Darmstadt 1964.
  • Heinz Steinberg: Wilhelm von Humboldt (Preußische Köpfe). Stapp 2001.
  • Dietrich Benner: Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie. Eine problemgeschichtliche Studie zum Begründungszusammenhang neuzeitlicher Bildungsreform. Juventa 1990.
  • Peter Berglar: Wilhelm von Humboldt. Rowohlt Taschenbuch Verlag 1970.
  • Eduard Spranger: Wilhelm von Humboldt und die Reform des Bildungswesens. Max Niemeyer Verlag 1960.
  • Schülerduden Geschichte. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 2003.

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